Was ist dran an 10 Weeks Body Change von Detlev D! Soost?

Diätmoden gibt es ja immer mal wieder. Dass die es aber zur besten Sendezeit in die Werbung schaffen, ist eher selten. Eine Ausnahme ist aktuell Detlev Soosts, vielen besser als D! bekannt, 10 Weeks Body Change-Programm. Normalerweise wäre es wohl an mir vorbeigegangen, durch die Spots – und die damit verbundenen Versprechen – bin ich dann aber doch neugierig geworden, habe mir etwas Zeit genommen und mich über 10WBC informiert. Am Ende stehe ich dem Programm mit, sagen wir mal, gemischten Gefühlen gegenüber.

Eines vorweg: Ich bin nicht der größte Fan von Herrn Soost und würde ihn wohl auch nicht vermissen, wenn er nicht mehr vor die Fernsehkamera treten würde. Meine persönliche Sympathie (oder Antipathie) soll bei der Bewertung seines Programms aber keine Rolle spielen. Letztlich habe ich schon mehrfach erwähnt, dass mich in erster Linie interessiert, dass Menschen sich bewegen und um ihre Gesundheit kümmern, und erst in zweiter Linie wichtig ist, warum sie es tun. Aus diesem Grund finde ich die Initiative von D! eigentlich begrüßenswert, wären da nicht ein paar Unappetitlichkeiten.

Das Versprechen von 10WBC

Aber bevor ich dazu komme, ein paar Infos zum Programm. Da kann man ja den Schirmherr selbst zu Wort kommen lassen:

http://www.youtube.com/watch?v=TFVdsY2BxYQ

Fassen wir mal zusammen, was D! dort verspricht: Das 10 Weeks Body Change-Programm soll seinen Teilnehmern helfen, innerhalb der namensgebenden zehn Wochen Muskeln aufzubauen und gleichzeitig abzuspecken. Daran gibt es nichts auszusetzen, denn das ist definitiv möglich. In seinen Spots verspricht er dann noch ein wenig mehr:

Abnehmen, ohne zu hungern…Ja, auch das ist möglich. Auf der Webseite imakeusexy.com verspricht Soost dann noch, dass man mit seiner Methode in zehn Wochen zur Traumfigur kommt. Das sei auch ihm gelungen.

Die Methode hinter 10 Weeks Body Change

Im ersten Video verrät D! ein paar Details zu seiner Methode. Die setzt auf drei Grundpfeiler: Sport, Ernährung und Motivation. Alle drei Punkte sind unzweifelhaft wichtig, um beim Abnehmen und Fitwerden ans Ziel zu kommen.

Hauptaugenmerk der 10 Weeks Body Change-Methode ist aber die Ernährung. Das wird klar, wenn man sich die weiteren auf Youtube bereitgestellten Videos anschaut. In der Werbung erklärt D!, er habe ein Ernährungsprogramm entwickelt, das hungern überflüssig macht und trotzdem erstaunlich Erfolge ermöglicht. Wer sich ein wenig mit Ernährung beschäftigt hat, weiß, in welche Richtung es hier gehen muss: Low Carb. Soosts Methode zielt darauf ab, Kohlenhydrate als Dickmacher weitestgehend aus der Ernährung zu streichen, in dem verschiedene Lebensmittel wie Brot, Nudeln, Kartoffeln und Obst auf die Verbotsliste kommen. Als Ersatz wird der Anteil von Fetten und vor allem Proteinen hochgefahren. Das funktioniert zweifellos. Nur neu ist es nicht.

Die zweite Säule ist Sport. Was da gefordert wird, sieht man im ersten Video. Relativ leichte Eigengewichtsübungen, die zwar an sich gut sind, in dieser Form aber weder einen großartigen Muskelaufbau erlauben noch signifikante Auswirkungen auf den Fettabbau haben. Dazu fehlen meiner Erfahrung nach die Intensität und die Regelmäßigkeit. Sport wird nämlich nur in acht der zehn Wochen gemacht und noch dazu nur zwei Mal die Woche. Man kommt also auf insgesamt 16 Trainingseinheiten, die jeweils 20 Minuten dauern.

Spätestens an diesem Punkt sollte jedem klar sein, dass 10 Weeks Body Change nicht einhalten kann, was Soost verspricht. Seine Figur hat er nur mit diesem Programm auf keinen Fall erreichen können – schon gar nicht in dieser Zeit. Das ist aber, was die Werbung zu suggerieren versucht. Tatsächlich dürfte das Ergebnis sich eher so gestalten, dass man während 10WBC gleichzeitig Fett und Muskeln verliert, wie es bei jeder Diät ohne intensives Kraftsportprogramm normal ist. Damit die zur Verhinderung des Jojo-Effekts nötige Muskelmasse erhalten bleibt, muss man schon deutlich härter ranklotzen.

Die 10-Wochen-Lüge

Apropos Werbung: In der Werbung heißt es auch, er hätte mit dem Programm 20 Kilo abgenommen. Das ist sicher machbar, aber auf keinen Fall ratsam, weil ein so extremer Gewichtsverlust eine unglaubliche Belastung für den Körper ist, die im schlimmsten Fall zu Organschäden führen kann. Das sollte eigentlich Warnung genug sein. Wer es dennoch riskieren will, darf nicht vergessen, dass der Erfolg nur von kurzer Dauer ist. Nach extremen Gewichtsverlusten sorgt der Jojo-Effekt dafür, dass die verlorenen Pfunde samt Bonusspeck schnell wieder auf die Hüften kommen – es sei denn, man stellt die Ernährung dauerhaft um. Dann aber wird aus dem 10 Weeks Bodychange- ein Lifetime Body Change-Programm. Genau das, was es ja zumindest dem Eindruck nach nicht sein soll.

Dass 10 Weeks Body Change Erfolge bringen kann, will ich nicht anzweifeln. Der Diätansatz hat sich in der Vergangenheit bereits bewährt und ein bisschen Sport begleitend zur Ernährungsumstellung schadet nicht. Dass das Ergebnis die soostsche Figur ist, bleibt aber ausgeschlossen. Und eine Sache sollte man abseits davon nicht vergessen: Die 80 Euro jährliche Teilnahmegebühr kann man sich mit ein paar Stunden Internetrecherche problemlos sparen, da es Informationen zu Low Carb und Heimtraining im Netz zuhauf kostenlos gibt.

  • Chris

    Danke Ralf, sehr informativ! Hättest du das Programm nicht aufgegriffen, hätte ich nichts zu Lachen gehabt.
    Vielleicht interessant ist, dass Herr Soost sich bei bereits etablierten Programmen aus den USA (P90X, INSANE!) bedient…
    Was mich bei Eigengewichtsübungen immer skeptisch stimmt, ist eine fehlende Schritt-für-Schritt Anleitung; dass viele Menschen übergewichtig sind, liegt ja vor allem daran, dass sie in der Kindheit kaum Sport treiben, also recht wneig Körperbewusstsein haben – eventuell resultierende Haltungsschäden können dann bei inkorrekter Ausführung den Trainingserfolg mindern oder gar gesundheitlich schädlich werden…

    Wenn man zudem bedenkt, dass für 80€ durchaus brauchbares Equipment für ein Homegym und Kochbücher zu haben sind, kann ich nur jeden bemitleiden, der auf solche „Wundertüten“ herein fällt…

  • Ralf

    Stimmt wohl. Neu ist das alles nicht. 10WBC muss man zugute halten, dass es Anleitungsvideos gibt. Ob man aber nur dafür 80 Euro ausgeben muss, obwohl es die Infos durch die Bank auch umsonst gibt, sei mal dahingestellt. Ansonsten hast du natürlich recht, ein bisschen Equipment und Bücher mit Basiswissen sind da die bessere Anschaffung. Nur muss man dann akzeptieren, dass es etwas Eigeninitiative braucht…und da hapert es meiner Meinung nach bei vielen. Man investiert dann lieber in solche Programme und hofft, nach 10 Wochen wäre alles gegessen. Fatales Fehlurteil. 😉

  • http://www.10-weeks-body-change(.)de David

    Ich frage mich, worauf Aussagen wie „Wer es dennoch riskieren will, darf nicht vergessen, dass der Erfolg nur von kurzer Dauer ist.“ gründen, ausser vornehmlich in einer Ablehnung gegenüber der Person Soost.

    Was die Behauptung anbelangt, dass man mit dem Programm keinen solchen Körper erhalten kann: auch das ist nicht unbedingt korrekt, wie die Erfolgsgeschichte von Josef zeigt, sie hier: http://www.10-weeks-body-change(.)de/10wbc-erfahrungen/

  • Ralf

    Hallo David,

    die Erklärung findet sich im Artikel und ist im Grunde ganz einfach. Während 10WBC wird nicht nur Fett, sondern vor allem Muskel abgebaut. Das Gewicht geht runter, damit aber auch der Bedarf an Kalorien. Beendet man das Programm nach 10 Wochen und kehrt zu alten Gewohnheiten zurück, kommt es zum Jojo-Effekt. Das hat nichts mit meiner Meinung zu D! an sich zu tun, sondern ist ein Fakt, der alle Crashdiäten zum Scheitern verurteilt.

    Es ist einfache Mathematik: Nehme ich vor der Diät 2.000 kcal zu mir und verbrauche 1.800, habe ich einen Überschuss von 200 kcal und nehme stetig zu. Wird der Bedarf während der Diät durch den Verlust von Muskelmasse gesenkt und ich nehmen am Ende wieder 2.000 kcal zu mir, verbrenne aber nur noch 1.600 kcal, ist der Überschuss auf 400 kcal gestiegen und damit die Gewichtszunahme höher. Da das angeschlossene Sportprogramm aufgrund der geringen Intensität kaum Muskeln erhalten kann, wird das auch bei 10WBC zu einem Problem, obwohl man Sport macht.

    Fakt ist: Dauerhaften Erfolg gibt es nur, wenn man die Lebensgewohnheiten auch dauerhaft ändert. In der Werbung ist davon nichts zu hören. Das ist einer der Punkte, die ich an 10WBC kritisiere.

    Zum Beispiel Josef: Schlecht gewählt…Auf der Seite wird doch freimütig zugegeben, dass er sich nicht an die Vorgaben gehalten, sondern das Trainingspensum erhöht hat. Und das wird wohl – milde ausgedrückt – eine Untertreibung sein. Die soostsche Methode mit ihren leichten Eigengewichtsübungen und kurzen Einheiten nicht geeignet, aus einem Waschbärbauch innerhalb von drei Wochen einen Waschbrettbauch zu machen. Wie hart das tatsächlich ist, demonstriert die Reportage „I want to look like that guy“. Dort beschreitet ein Otto-Normal-Bürger diesen Weg unter persönlicher Betreuung eines Profibodybuilders. Dazu sei nur so viel gesagt: Von vier Mal die Woche 20 Minuten Hyperextensions, Leg Lifts und halben Lunges ist da nichts zu sehen – und das nicht, weil da jemand seine Hausaufgaben nicht gemacht hat, sondern weil es für derart krasse Veränderungen nicht ausreicht. Ohne Hungern und hartes Training geht es nun mal ab einem gewissen Punkt nicht mehr.

    Noch eine kleine Anmerkung: Grundsätzlich habe ich nichts gegen Links in Kommentaren, in deinem Fall mache ich allerdings eine Ausnahme. Ich bin lange genug im Netz unterwegs, um eine Affiliate-Seite erkennen zu können und verfremde den Link deshalb. An einer Diskussion um die Inhalte meiner Beiträge habe ich nichts auszusetzen und hätte vollstes Verständnis, wenn du meine Kritik an 10WBC zurückweist, weil du selbst Erfolge erzielt hast. Allerdings geht es dir als 10WBC-Partner wohl eher um die Verbesserung deiner Einnahmen und das sehe ich in diesem Fall kritisch. Deshalb die minimale Änderung an deinem Beitrag.